„Demokratie lebt vom Mitmachen“

Genau das wollen wir mit der Juniorwahl an unserer Schule fördern! Wahlen sind das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft, denn sie ermöglichen es uns, mitzubestimmen, wer Entscheidungen trifft und in welche Richtung sich unser Land entwickelt.
Gerade als junge Menschen ist es wichtig, früh zu verstehen, wie Demokratie funktioniert und warum jede Stimme zählt. Auch wenn viele von uns noch nicht bei offiziellen Wahlen wählen dürfen, bieten Jugendwahlen die Möglichkeit, politische Prozesse kennenzulernen und eine eigene Meinung zu entwickeln.

Kein Thema ist so aktuell wie die kommende Bundestagswahl am 23.02.2025, bei der man entscheidet, wie sich der Bundestag zusammensetzt und indirekt, wer der nächste Bundeskanzler oder die nächste Bundeskanzlerin wird. Am 18.02.2025 wurde an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Haßlinghausen die Juniorwahl durchgeführt, bei der Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9, 10, EF, Q1 und Q2 die Möglichkeit bekommen haben, ihre Stimme für die derzeitigen Parteien abzugeben. Dabei wurden sie die ganze Zeit von 7 Mitschülerinne und Mitschülern aus den EF SoWi-Kursen und Frau Lo Vullo begleitet.
Die verschiedenen Klassen und Kurse kamen zu dem „Wahllokal“ und haben sich für die Anmeldung angestellt. Anschließend haben sie eine kurze Unterweisung von den Helfenden bekommen, sind zu den Kabinen gegangen und haben ihre Stimme anonym in die Wahlurne abgegeben.
Hierbei war der Schule besonders wichtig, die Meinungen der jungen Menschen aktiv wahrzunehmen und ihnen die Chance zu bieten, diese vor ihren 18. Lebensjahr per simulierter Wahl zu kommunizieren.
Von den 553 wahlberechtigten Schülerinnen und Schülern, haben 307 an der Juniorwahl teilgenommen. Das ergibt eine Wahlbeteiligung von ~55,5%.
Während von vielen Personen deutliches Interesse, Engagement und ein gewisses Pflichtbewusstsein ausging, waren andere uninformiert und desinteressiert. Somit wurden manche Ergebnisse öffentlich geteilt, wie z.B. die Aussage „zweimal für blau“. Im Laufe des Tages bekamen wir als Helferinnen und Helfer durchweg Feedback der verschiedenen Stufen. So wurde die Begeisterung über die interne Schulwahl geäußert, die aber wiederrum für manche als zu früh (Altersklasse) eingeschätzt wird. Einige Schüler sind der Meinung, dass sich jüngere Menschen nicht genug mit dem Thema beschäftigen würden, sich einen Spaß daraus machten und somit die Ergebnisse verzerrten. Trotzdem empfinden es viele als eine gute Sache, da ihre Stimme gehört werde und sie somit auf das spätere Leben vorbereitet würden.
Auch der Schulleiter besuchte die Veranstaltung und meinte, dass dies wichtig sei, um Impulse zu setzen und ein politisches Engagement zu zeigen. Innerhalb der Schule zu wählen sei eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und gegebenenfalls die Lehrkraft nach weiteren Informationen zu fragen.
Auffällig bei der Aktion war die besonders geringe Wahlbeteiligung der Q1, da dort nur 18 von 75 berechtigten Wählerinnen und Wählern teilgenommen haben. Dies ist besonders interessant, da einige von ihnen bereits volljährig sind und somit an der offiziellen Wahl abstimmen können.

Das von WKGE gewünschte Direktmandat im Bundestagswahlkreis Ennepe-Ruhr-Kreis II geht an Ursula Weiß von DIE LINKE, die mit einem Stimmenanteil von 30,38% das stärkste Ergebnis erzielt. Auf Platz zwei und drei gibt es keinen großen Unterschied: Dr. Katja Strauss-Köster von der CDU erreicht 20,82%, dicht gefolgt von Axel Echeverria von der SPD mit 20,48%. Den vierten Platz sicherte sich Heike Bandmann von der AfD mit 15,7% der Stimmen.

Die Zweitstimmen bei der Wahl zum WKGE sind besonders interessant, da sie den Erststimmen nahekommen. DIE LINKE hat mit 28,34% den ersten Platz belegt und damit die Wahl gewonnen, während sich CDU und AfD mit jeweils 14,66% den zweiten Platz teilen. Ein deutlicher Rückgang der Unterstützung für die bisherige Regierung ist zu erkennen, da die SPD mit 13,03%, die Grünen mit 6,51% und die FDP mit 5,21% deutlich hinter ihren bisherigen Ergebnissen zurückbleiben.

Bemerkenswert ist, dass kleinere Parteien wie BSW, Die Partei, Tierschutzpartei und Volt den Einzug in den Bundestag nicht geschafft haben, da sie mit weniger als 5% der Stimmen die erforderliche Hürde nicht erreicht haben.

Die Wahl zeigt deutlich, dass die Mehrheit unserer Schule eher links orientiert ist. Betrachtet man die Wahl als Ganzes, wird aber auch deutlich, dass unsere Meinungen vielfältig sind, und das ist ein wesentlicher Aspekt unserer demokratischen Ordnung. Genau diese Meinungsvielfalt macht unsere Demokratie lebendig und stark.

Lasst uns unsere Ergebnisse mit denen anderer Jugendlicher und einer allgemeinen Umfrage vergleichen! Die Umfrage des DBJR kommt den Ergebnissen unserer Wahl erstaunlich nahe, allerdings haben SPD und Grüne in unserer Umfrage deutlich weniger Stimmen erhalten. Der Gewinner, die Linke, hat ca. 8% mehr Stimmen als bei unserer Wahl, während die Stimmenanteile von CDU und AfD fast identisch zu sein scheinen. Die FDP schafft in der DBJR-Umfrage nicht mal die 5%-Hürde.

Vergleicht man jedoch die Ergebnisse der Jugendlichen mit einer realen Umfrage des Forsa-Instituts, wird deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven der Generationen sind. Die Älteren tendieren zu konservativeren Entscheidungen, indem sie etablierte und bekannte Parteien unterstützen. Im Gegensatz dazu zeigen die Jugendlichen eine deutliche Neigung zu neuen, linksorientierten politischen Ansätzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Jugendlichen nur links denken, es gibt auch einen bedeutenden Anteil, der sich für rechte Parteien entscheidet, was die politische Vielfalt und die demokratische Kontroverse innerhalb der Jugend unterstreicht.

Egal, wie die Wahl am Sonntag ausgeht, wir müssen uns vor Augen halten, dass wir als Jugend eine große Verantwortung tragen.

Es liegt an uns, ein Deutschland zu gestalten, in dem alle Menschen in Frieden leben, sich sicher fühlen und die Werte der Demokratie und der Verfassung respektiert und geachtet werden. In unserem Land darf niemand wegen seines Geschlechts, seiner sexuellen Orientierung, seiner Abstammung, seiner Rasse, seines Glaubens, seiner Religion, seiner Sprache, seiner Herkunft oder seiner politischen Anschauungen benachteiligt, diskriminiert oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Auch wenn wir viele unterschiedliche politische Meinungen haben, sollten wir immer nach Gerechtigkeit streben. Gerechtigkeit bedeutet, dass alle Menschen die gleichen Chancen und Rechte haben. Es bedeutet, dass wir eine Gesellschaft aufbauen, in der jeder gehört und niemand zurückgelassen wird. Nur so können wir ein Land schaffen, auf das wir stolz sein können. Ein Land, das für alle gerecht und lebenswert ist.

Taha Demir und Sandra M. Schniedermeier (EF)

Juniorwahl-Bericht „Demokratie lebt vom Mitmachen“